Die Kulturgeschichte der Folgefonnahalbinsel

Archäologische Funde rund um Folgefonna offenbaren so manch faszinierende Geschichte. Pfeilspitzen aus Feuerstein und Asche alter Lagerfeuer geben Hinweise darauf, dass die ersten Norweger bereits vor 10.000 Jahren in den Wäldern an den Fjordufern jagten, gleich nachdem sich die großen Eisschichten langsam zurückzuziehen begonnen hatten.

Im Dorf Herand, nordwestlich des Nationalparks, wurden prähistorische Felszeichnungen entdeckt. Neben Sonnensymbolen und Langbooten kann man hier auch einige menschliche Figuren betrachten. Vermutlich waren diese ein Teil diverser Fruchtbarkeits- und Sonnenrituale.

Die Fjorddörfer

Agatunet - © Arnstein Karlsen
Agatunet - © Arnstein Karlsen

Die Fjorddörfer an den Ufern der Folgefonnahalbinsel sind reich an Kulturgeschichte. Viele Dörfer haben ihre Kulturschätze bis heute gut erhalten und für Besucher zugänglich gemacht. Besonders gut erhaltene und geschichtsträchtige Orte sind unter anderem Hof „Agatunet“, das Dorf „Herand“ und das Anwesen „Malmanger Prestegård“. Einzelne Farmen stammen sogar noch aus Vor-Wikingerzeiten.

Das Gesicht der Dörfer ist bis heute geprägt von der eher lockeren Hofstruktur mit ihren romantischen Holzhäusern. Schimmernde Schieferplatten aus der Region bedecken die Dächer und die Giebel zieren häufig kunstvolle Schnitzereien im sogenannten „Schweizerstil“. Besonders im Norden der Halbinsel durchziehen üppige Obstgärten die Dörfer und tauchen die Orte im Mai in rosaweiße Blütenwolken.

Wussten Sie, dass die ersten Apfelkerne einst mit den Zisterzienser-Mönchen zum Hardanger kamen? Mit ihnen entstanden im 12. Jahrhundert auch die ersten Obstgärten der Region. Fruchtbare Böden, lange Sommertage und die weitgehend natürliche Bewirtschaftung erklären weshalb unsere Früchte so besonders aromatisch schmecken.

Bootsbau

Båtbyggarmuseum © Herand Landskapspark
Bootsbaumuseum - © Herand Landschaftspark

Hardanger ist berühmt für seine Bootsbautradition. Ende des 19. Jahrhunderts war in einigen Dörfern der Bootsbau neben der Landwirtschaft die vorrangige Einnahmequelle und der überwiegende Teil der Bevölkerung in diesem Handwerk tätig. Einige der Modelle haben sich seit den Wikingerzeiten nur wenig verändert - und sie sind an Perfektion bis heute kaum übertroffen.

Historische Wanderwege

Im Folgefonna Nationalpark und seiner Umgebung finden sich viele gut markierte Wanderwege. Einige davon sind bereits mehrere Jahrhunderte alt und bereits im frühen 19. Jahrhundert von Touristen der ganzen Welt besucht worden. Besonders berühmt sind der Kaiserpfad („Kaiserstien“), der bereits von Kaiser Wilhelm II beschritten und auch nach ihm benannt wurde, sowie die Eispfade („Isstien“). Auf Letzteren wurde einst Eis vom Gletscher geholt, am Fjord auf Boote verladen und für die historischen Kühlschränke bis nach England verschifft.

Andere Pfade führen Sie entlang der Wege, auf denen seit vielen Jahrhunderten die Bauern ihr Vieh auf die Sommeralmen bringen. In Herand finden Sie überdies den Kulturhistorischen Wanderweg, der sie durch die bezaubernde Kulturlandschaft des Ortes an unterschiedlichen Kulturdenkmälern, wie Felszeichnungen und einer alten Sägemühle vorbei führt.