Die Pflanzenwelt im Folgefonna Nationalpark

Sie werden überrascht davon sein, wie stark die Vegetation rund um den Nationalpark variiert. Die zahlreichen, ganz unterschiedlichen Mikroklimata erschaffen dicht an dicht eine große Bandbreite an Vegetationsräumen, denn selbst über kurze Abstände schwanken Temperatur, Niederschlag und Windeinwirkung enorm.

Die felsigen Täler der Halbinsel sind entsprechend ihrer sauren Böden von einigen wenigen widerstandsfähigen Arten geprägt. Die Krautweide gilt mit einer Wuchshöhe von nur 2 bis 10 cm als der kleinste Baum der Welt. Dazu gesellen sich die hartfaserige Dreiblattbinse und verschiedene Birkenarten. Auch Blaubeeren, Preiselbeeren und Rauschbeeren sind hier anzutreffen. Heidekraut überzieht die kargfelsigen Hänge in großen Teppichen. Wenn dieses im Sommer blüht taucht es die felsige Landschaft in die schönsten Magentatöne und erleichtert mit seinem Nektar die Überwinterung von Bienen und Hummeln. Heidehonig (Norw. „Lynghonning“) ist eine begehrte lokale Honigsorte.

Am Gletscherrand

Snøull
Alpenwolle
Greplyng
Gamsheide, auch Felsenröschen genannt

Nahe der Gletscherränder wachsen vorrangig kleinwüchsige Arten, die den extremen Temperaturen und enormen Schneemengen standhalten können. Hierzu zählt zum Beispiel das Alpen-Wollgras mit seinen anmutigen weißen Häubchen, die Schuppenheide und das Felsenröschen mit ihren zarten Glöckchen und die robuste Segge.

Bergmalerei

Im ersten Augenblick mögen die Bergrücken und Gipfel des Hochgebirges nackt und leblos erscheinen, betrachtet man sie jedoch aus der Nähe, erkennt man die vielen farbigen Flecken, welche die Felsoberflächen schmücken: ein endloser Teppich aus mannigfaltigen Flechten. Die häufigste ist die gelbgrüne Landkartenflechte, die auf kalkhaltigen Gesteinsarten in so großen Mengen wächst, dass sie ganze Bergrücken in zartes Gelbgrün taucht. Sie wächst im Jahr nur einige Millimeter, kann jedoch ein Alter von bis zu 1000 Jahren erreichen.

Kletterkünstler

Aus engen Felsspalten steiler Felswände und großer Felsbrocken zwängen sich die kräftigen Rosetten des Strauß-Steinbrechs um mit vielblütigen Stängeln dem Himmel entgegen zu streben. Das Strauß-Steinbrech, in Norwegen Bergfräulein (Bergfrue) genannt, ist nicht nur ein Wahrzeichen des Folgefonna Nationalparks und auf dessen Logo verewigt, sondern gilt auch als eine der beiden norwegischen Nationalpflanzen (die andere ist Heidekraut). Neben dem prachtvollen Bergfräulein überziehen zartrosa Polsternelken das graue Gestein und Alpenhelm, Alpenlichtnelke und Stern-Steinbrech zaubern liebliche Blüten auf den kargen Fels.

Botanische Oasen

In den feuchten, niederschlagsreichen Tälern westlich der Gletscher ziehen sich urige Erlenwälder die Hänge hinauf und zwischen Wasserfällen und Schmelzwasserbächen verwandeln zahlreiche Farnarten die Landschaft in märchenhafte Gefilde.

Unten am Fjordufer

und in den feuchten Wäldern ist die Vegetation fruchtbar und üppig. Typische Pflanzen an den Fjordufern sind Fingerhut, Moorlilie, Wald-Hainsimse, Glockenheide und zahlreiche große und kleine Farnarten. Dank des milden Fjordklimas findet man die meisten von ihnen bis hinauf zur Baumgrenze.