Der Geologische Wanderweg in Nordrepollen

Dieser Wanderweg vom Fjord bis hoch an den Gletscher Botnabreen, bietet Wanderern die Möglichkeit mehr über die Flora im Nationalpark und über das faszinierende Zusammenspiel zwischen Eis und Fels zu erfahren.

Die variierte Landschaft erzählt großzügig ihre spannende Geschichte - doch um sie zu verstehen, müssen Sie ihre Sprache kennen. Zur Unterstützung haben wir mit einigen der besten Geologen und Botaniker Norwegens Informationstafeln entworfen und diese längs des Weges verteilt. Beobachten Sie genau und lassen Sie die Landschaft Ihr Lehrer sein!

Echte Pioniere - Pflanzen am Gletscherrand

Kraftvolle Naturkräfte formten einst die dramatische Szenerie, die sich nun Stück für Stück vor Ihnen eröffnet: Hitze, tektonische Bewegungen, Druck, Eis und Wasser. Die in dieser Umgebung wachsenden Pflanzen sind bestens an das raue Klima und den kargen Boden angepasst, wo der Schnee viele Monate lang liegt und die Wachstumsperiode kurz und intensiv ist. Ein gutes Beispiel ist das wunderschön zartblütige Strauß-Steinbrech, eine der beiden Nationalpflanzen Norwegens (die andere ist Heidekraut) und auch auf dem Logo des Folgefonna Nationalparks abgebildet.

Der erste Abschnitt Ihrer Wanderung führt vom alten Hof Øvre bei Nordrepollen hinauf in den Erlenwald des Øyrestales. Die Erle ist ein widerstandsfähiger Baum, der auch bei tiefen Temperaturen und nährstoffarmen Böden willig wächst. Sie lebt in Symbiose mit einem Bakterium, was ihr ermöglicht Stickstoff aus der Luft zu beziehen. Weitere Bäume, die nahe des Gletscherrandes gedeihen, sind Birke und Krautweide. Die Krautweide gilt mit einer Wuchshöhe von nur wenigen Zentimetern als der kleinste Baum der Welt.

Mit der Zeit bildet sich aus den verotteten Blättern der Pionierpflanzen mehr und mehr Erde, so dass auch andere Pflanzen, die anspruchsvollere Wachstumsbedingungen aufweisen, wachsen können.

Wie die Täler und Fjorde entstanden

Botnane zeichnet eine besonders faszinierende Geologie aus. Hier finden sich ganz unterschiedliche Grundgesteine und Mineralien.

Die wunderschön blauen Steine sind zum Beispiel Serpentinite, die eigentümlich wellenmaserigen Steine bestehen aus magmatischem Gneis. Die großen Moränen aus Kies und Sand in der Mitte des Tales sind Hinterlassenschaften des sich zurückziehenden Eises, ebenso wie die horizontale Rille an den Bergwänden. Der Gletscher nutzt Fels, Kies und Sand als Schmirgelpapier um am Grundgestein zu reiben - mit der Zeit wurden auf diese Weise tiefe Gletscherbachbetten herausgefeilt und die Täler und Fjorde entstanden.

Sommeralmen

Die Bauern aus der Region bringen bis heute ihr Vieh auf die Sommerweiden in den Tälern unterhalb des Folgefonnagletschers. So werden Sie auf Ihrem Weg gewiss einigen Schafen und Kühen begegnen, die sich friedlich an den würzigen Bergkräutern laben.

Strom aus unterirdischen Gletscherseen

Während Sie die unberührte Landschaft durchwandern, werden Sie sich kaum vorstellen können, dass hier Strom aus dem Schmelzwasser des Gletschers gewonnen wird. Doch tatsächlich bezieht ein Wasserkraft - Pilotprojekt, als erstes der Welt, Wasser über ein Tunnelnetz unter dem Gletscher. Gewiss werden Sie sich wundern, wie dies auf Nationalparkgebiet möglich ist. Die Antwort hierauf ist, dass derart fortschrittliche, naturnahe Kompromisse durchaus im Interesse des Nationalparks liegen. Denn in anderen Regionen wird im Zuge ähnlicher Maßnahmen häufig kurzer Hand das Schutzgebiet beschnitten, mit wesentlich weniger umweltfreundlichen Lösungen. Das Thema Wasserkraft als regenerative Energiequelle wird auch in Zukunft ein wichtiges Thema norwegischer Nationalparke sein, und wir hoffen, dass im gemeinsamen Dialog immer bessere und naturnähere Lösungen gefunden werden können.